Hannah Lühmann, Susanne Schirdewahn und Dita Zipfel über Mutterschaft, weibliche Solidarität und falsche Verbündete

Literatur sonstige
Eines der großen Versprechen unserer Zeit und westlichen Gesellschaft ist die Vereinbarkeit von Karriere und Familie für Frauen. Am Erwartungsdruck, beides erfolgreich unter einen Hut zu bringen, verzweifeln nicht wenige.
Kein Wunder, liegt der Gender Care Gap, also die Lücke zwischen geleisteter unbezahlter Fürsorgearbeit von Männern und Frauen bei 76 Minuten am Tag. Die Verlockung mag groß sein: Wie wäre es, nur einer der beiden Aufgaben gerecht werden zu müssen?

In Hannah Lühmanns Roman „Heimat“ erliegt eine junge, zweifache Mutter dem Bann einer rechten Influencerin, einer „Tradwife“. Jana ist frustriert, nach dem Umzug in der Smart City-Wohnsiedlung einer Kleinstadt fühlt sie sich im bürgerlichen Leben einsam. Neidisch verfolgt sie auf Instagram das vermeintlich perfekte und scheinbar einfache Leben ihrer Nachbarin Karoline, als Hausfrau und fünffache Mutter mit Haus am Waldrand. Janas anfängliche Irritation ob der ultrakonservativen Haltungen ihrer neuen Freundin schlägt in Faszination um. Bis zu dem Punkt, an dem beider Leben und alle Gewissheiten zerbrechen.

Von Mutterschaft erzählt auch Dita Zipfels Roman „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“. Eva, zweifache Mutter, ungewollt mit dem dritten Kind schwanger, und Linn, unfreiwillig kinderlos, verbringen gemeinsam mit ihren Partnern eine Woche am Meer. Linn ist zerrissen zwischen dem unbedingten Wunsch, Mutter zu werden, und dem Zweifel, ob sie das überhaupt kann, eine „gute“ Mutter sein. Mit einer Mischung aus Neid und Widerwillen blickt sie auf Eva, die geduldig mit ihrem Sohn buddelt, ihn tröstet und Sandkörner aus Babyaugen wischt. Im Laufe der Urlaubstage entwickelt sich zwischen geflüsterten Gesprächen und heimlichem Kiffen eine Nähe, die festgefahrene Bilder ins Wanken bringt. Eva und Linn verschieben sachte die Regeln und werden Verbündete.

Die Künstlerin Kira, Mitte vierzig, lebt in Susanne Schirdewahns Roman „Karacho“ mit ihrem Ehemann Vau und zwei jugendlichen Söhnen in Berlin. Eines Tages verabschiedet er sich mit den Worten: Ich liebe dich nicht mehr. Als wäre das nicht genug, hat er auch noch eine Neue, jünger und bald auch schwanger. Kira muss sich entlieben, doch wie soll das nach 20 Jahren Ehe gehen? Kira schlägt sich durch den Alltag, macht eine Weiterbildung, hat neue und wiederkehrende Liebhaber. Versucht, eine gute Mutter zu sein und stellt fest, dass sie sich zwar nie trennen wollte, mit jedem Tag des Getrenntseins aber auch Erleichterung verspürt. Irgendwann erkennt sie: Es ist höchste Zeit, neuen Mut zu fassen und das Leben ohne Zurückhaltung zuzulassen.

NDR-Kultur-Redakteur Joachim Dicks moderiert diesen Abend über Frau- und Mutter-Sein in unserer Gegenwart.

Terminübersicht

Gut zu wissen

Eignung

  • für jedes Wetter

  • Zielgruppe Erwachsene

Sprachkenntnisse

Deutsch

Preisinformationen

Preis Erwachsener: 15,00 €

Preis ermäßigt: 7,00 €

Autor:in

Organisation

Hildesheim Marketing GmbH

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